Mein Renntag in Mont Sainte Anne (Kanada)

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«Drrr drrr drrr» um Punkt fünf Uhr erwachte ich durch das Geräusch meines Weckers. Es war Zeit um aufzustehen und mein Morgenessen vorzubereiten. Ich stellte mich in die Küche und kochte mir meinen Reisporridge mit Wasser und etwas Zimt auf. Getoppt wurde mein Powerfrühstück mit Rosinen, Bananenstücke und etwas Mandelmus. Nun waren es noch genau drei Stunden bis zum Start des zweitletzten Weltcuprennen. Ich legte mich nochmals in mein Bett zurück um etwas zu relaxen. Doch wach bleiben ist gar nicht so einfach! Als ich die Augen wieder aufmachte, war es höchste Zeit um meinen Rennbody anzuziehen und mich für das Rennen vorzubereiten. Ich schnappte mir mein Ghost Bike und startete mein Einwärmen. Bevor es an die Startlinie geht, müssen sich alle Fahrerinnen in den «Call Up Boxen» besammeln. Mein Betreuer Sebastian gab mir und meiner Teamkollegin Malene Degn mit einem Regenschirm etwas Schatten. Das Thermometer zeigte bereits über 20 Grad an. Die letzten lustigen Witze wurden gemacht, bevor der Aufruf an die Startlinie begann. «Mit der Nummer eins, die aktuelle Weltcup Leaderin und Weltmeisterin aus der Schweiz SIIIIIINA Freiiii!» Fokussiert rollte ich an die Startlinie und stellte mich in die Mitte. An Position drei fuhr Malene rechts neben mich hin. Mit einem Handklatsch wünschten wir uns viel Glück. Nun ging alles ganz schnell, die Fotografen knipsten noch die letzten Bilder, die Betreuer verliessen den Platz und dann hiess es noch eine Minute bis zum Start. Ich drückte bereits die Starttaste von meinem Sigma Velocomputer, richtete meinen Blick nach vorne und konnte es kaum erwarten bis es endlich los ging. Ein Schuss schickte uns auf eine Startrunde und fünf Runden. Der Start gelang mir nicht ganz nach Wunsch und ich musste mich auf der ein Kilometer langen Startrunde nach vorne kämpfen. Als ich den Start/Ziel Bereich passierte, war ich bereits auf Position drei. Im entscheidenden Moment nahm ich das Hinterrad von der Britin Evie Richards und eine Lücke zum Rest des Feldes ging auf. Bevor es zum ersten langen zickzack Aufstieg ging (La Beatrice) übernahm ich die Führung und konnte schon einige Sekunden herausfahren. Die Strecke ist die technisch anspruchsvollste im Rennzirkus. Die Anstiege sind steil und hart. In den Abfahrten über die vielen Steinpassagen muss man immer 100 Prozent fokussiert sein um keine Fehler zu machen. Ich war auf mich alleine gestellt, die Lücke zur zweit Platzierten wurde von Runde zu Runde grösser. Ich fand meinen Rhythmus und probierte meine Linien dynamisch sowie technisch sauber zu fahren. Nach einer Stunde, 16 Minuten und 17 Sekunden überquerte ich mit den Händen in der Luft die Ziellinie. Es ist bereits mein insgesamt elfter Weltcupsieg in der U23 Kategorie. Mit dem heutigen Triumph sicherte ich mir den Weltcup-Gesamtsieg bereits ein Rennen vor Schluss.

Wir warteten im Zelt hinter dem Podest, bis die Siegerehrung begann. Der Reihe nach (Start von P3, P2, P1) wurden wir aufgerufen. Auf dem dritten Podium Treppchen stand meine Teamkollegin Malene Degn und rechts von mir auf Position zwei Evie Richards. Wir bekamen Blumen und Gratulationen, danach wurde die Schweizer Nationalhymne abgespielt. Bevor wir das Podium verliessen, gab es zur Feier des Tages eine Champagner Dusche! 

Herzlichen Dank an das Ghost Factory Racing Team für den super Support!

Photo Credits: Andreas Dobslaff

 

Sina